Die Schuhe von meinem Mann und mir zu probieren, das fand mein Sohn vor einigen Jahren recht witzig. Wie fühlt es sich an, in den Schuhen einer anderen Person zu stecken? Kann man die Perspektive wechseln? Bekommt man ein Gefühl, wie die andere Person auf die Dinge sieht? Oder drückt der Schuh, stolpert man oder verliert die Schuhe am Ende gar?
Wenn man eine Führungsposition übernimmt, insbesondere in einem Familienunternehmen, geht es der Person oft ähnlich. Zunächst versucht man, allen Ansprüchen gerecht zu werden, ins vorgefertigte Schema „reinzupassen“. Aber was, wenn man eine andere Schuhgröße hat? Bei einer Nachfolge geht es nicht ums Kopieren, sondern es geht darum, die eigenen Fähigkeiten, Stärken und Vorstellungen bestmöglich in die neue Position einzubringen. Sich als Person als authentische und stabile Führungskraft zu präsentieren, kann anfangs etwas mehr Angriffsfläche bieten, weil man sich öffnet, etwas von sich preisgibt und sich nicht hinter Bekanntem verstecken kann. Aber letztlich führt dieses Verhalten zu mehr Glaubwürdigkeit. Es gilt die richtige Balance zu finden: Was ist es wert, fortgeführt zu werden? Was und wie viel kann ich realistischerweise verändern und erneuern? Bei diesem Prozess wird es auch Kritik geben. Versuchen Sie, diese ernst zu nehmen und konstruktives Feedback auch zu reflektieren, aber nehmen Sie diese Kritik nicht persönlich. Eine Änderung bedeutet immer zunächst Reibung, bis neue Strukturen eingefahren sind. Nehmen Sie sich Zeit für diese Neuausrichtung und persönliche Entwicklung, man spricht oft auch von den ersten 100 Tagen, die man für die Einarbeitung in eine Führungsrolle gemeinhin zugebilligt bekommt.
Setzen Sie sich mit sich selbst auseinander, reflektieren Sie, was für eine Führungskraft Sie sein wollen und entwickeln Sie mutig Ihren eigenen Stil. Dann sind Sie auch authentisch und glaubwürdig.
Kopien sind nie so wertvoll wie das Original! Und:
„Es ist besser, ein Original zu sein als eine schlechte Kopie.“