Kennen Sie die Geschichte von Captain Sully? Seine Notwasserung am Hudson River hat viele beeindruckt und demonstriert einige Führungsqualitäten, die wir für unsere alltäglichen Aufgaben gut nutzen können. Doch was war damals tatsächlich passiert?
Am 15. Januar 2009 startete US Airways Flug 1549 von LaGuardia Airport in New York City nach Charlotte, North Carolina. Nur wenige Minuten nach dem Start kollidierte das Flugzeug mit einem Schwarm Kanadagänsen, die beiden Triebwerke wurden beschädigt und fielen aus. Kapitän Chesley „Sully“ Sullenberger und sein Erster Offizier Jeffrey Skiles waren mit der Aufgabe konfrontiert, eine schnelle Entscheidung zu treffen, um das Leben der 155 Passagiere und Besatzungsmitglieder zu retten.
In einer beeindruckenden Demonstration von Geschicklichkeit, Mut und professionellem Können entschied sich Sullenberger, das Flugzeug auf dem Hudson River notzuwassern, nachdem er feststellte, dass eine Rückkehr zum Flughafen von LaGuardia oder eine Umleitung zu einem anderen Flughafen keine realistischen Optionen waren. Mit einem perfekt ausgeführten Manöver gelang es Sully, das Flugzeug sicher auf der Wasseroberfläche des Hudson River zu landen, etwa acht Minuten nach dem Vogelschlag.
Die Evakuierung verlief äußerst schnell und effizient. Es gab keine Todesopfer oder schwerwiegende Verletzungen, was als Wunder angesehen wurde und Sully und seiner Crew weltweite Anerkennung einbrachte. Das Ereignis wurde als „Miracle on the Hudson“ bekannt. Es bleibt eine der beeindruckendsten Geschichten von professionellem Handeln und Heldentum in der Luftfahrtgeschichte.
Diese Geschichte kam mir in den Sinn, als ich mich mit dem Thema beschäftigte, was eine gute Führungskraft in einer Krisensituation auszeichnet. Wie verhalte ich mich in einer herausfordernden Situation? Wie ringe ich mich zu entschlossenen Entscheidungen durch und wie kann ich mich bestmöglich auf solche Situationen vorbereiten? Die Geschichte von Captain Sully zeigt uns ein paar wichtige Aspekte auf, die wir in unser eigenes Handgepäck packen sollten:
- Schnelles Handeln bei Unsicherheit: Sully konnte in Sekunden entscheiden, weil er auf umfassendes Training und Erfahrung zurückgreifen konnte. Auch in Unternehmen sind Entscheidungen bei unvollständigen Informationen oft unvermeidlich – und Mut gepaart mit Kompetenz der Schlüssel.
- Fehlerkultur statt Perfektionismus: Barack Obama brachte es in einem Interview auf den Punkt: “[…] Auf meinen Schreibtisch kommt nichts, was perfekt lösbar ist. Sonst hätte es jemand anderes bereits gelöst. Bei jeder Entscheidung, die man trifft, besteht eine 30- bis 40-%ige Chance, dass sie nicht funktioniert. Man muss sich das eingestehen und sich mit der Art und Weise, wie man die Entscheidung getroffen hat, wohlfühlen. Man darf sich nicht von der Tatsache lähmen lassen, dass es vielleicht nicht funktioniert […]“ 1 Der Umgang mit Fehlern und die Fähigkeit, diese transparent zu revidieren, unterscheidet exzellente Führung von starrer Perfektion. (1 Lewis, M. [2012, September 5]. Obama’s Way. Vanity Fair. https://www.vanityfair.com/news/2012/09/barack-obama-michael-lewis)
- Krise als Chance: Organisationen sollten eine gesunde Krisenmentalität entwickeln. Denn in jeder Krise steckt die Möglichkeit, Veränderung anzustoßen und gestärkt hervorzugehen.
Es gibt eine Vielzahl an Tools, die in komplexen Rahmenbedingungen Orientierung bieten. Aus der Luftfahrt kommt etwa die FORDEC-Methode. Das Akronym FORDEC steht für die sechs Phasen des Entscheidungsprozesses:
Facts(F): Betrachtung der Ausgangslage und der IST-Situation
Options(O): Handlungsoptionen ermitteln
Risks/Benefits(R): Risikobewertung vornehmen
Decision(D): transparente, begründbare Entscheidung treffen
Execution(E): Ausarbeitung des konkreten Umsetzungsplans
Check(C): Ergebnis- bzw. Fortschrittskontrolle
Ein solcher „Ablaufplan“ kann helfen, einen ruhigen Kopf zu bewahren und mögliche Optionen zielgerichtet und konsequent in Angriff zu nehmen.
Bleiben Sie als Führungskraft klar und transparent, hören Sie zu und seien Sie authentisch. Eine aufgesetzte Fassade bröckelt spätestens in einer Krisensituation und beschädigt Ihre Glaubwürdigkeit nachhaltig.
Nach der Krise gilt: Reflexion statt „zurück zur Normalität“. Professionelle Nachbearbeitung und Feedbackschleifen verhindern, dass dieselben Fehler wiederholt werden – und stärken die Organisation für zukünftige Herausforderungen.
„Es ist keine Schande, Fehler zu machen; man darf nur nicht zweimal denselben Fehler machen.“ (George B. Shaw)
Möchten Sie sich gern umfassender mit dem Thema Führung in der Krise beschäftigen? In meinen Workshops arbeite ich mit Ihnen an Ihren Führungsqualitäten. Wie kommuniziere ich in der Krise? Wie leite ich mein Team souverän durch diese Phase? Und wie komme ich selbst unbeschadet in ruhigeres Fahrwasser?
Kommen wir ins Gespräch!